
Stell dir vor, du müsstest nie wieder eine App herunterladen, um eine Besprechung vorzubereiten, ein Design zu bearbeiten oder eine Reise zu planen. Stattdessen sagst du einfach deinem Chatbot, was du brauchst – und er erledigt den Rest, inklusive der passenden Werkzeuge. Genau in diese Richtung bewegt sich OpenAI mit einer Reihe von Neuerungen, die auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz vorgestellt wurden. Im Kern geht es um nichts Geringeres als eine Neuerfindung des App Stores, wie wir ihn kennen.
Bislang war ChatGPT vor allem ein Ort für Gespräche und Fragen. Das soll sich nun ändern: Der Chatbot, der nach Angaben von OpenAI inzwischen 1,2 Milliarden Nutzer pro Woche hat, erkennt künftig im laufenden Gespräch, wenn eine bestimmte App bei einer Aufgabe helfen könnte – und schlägt sie direkt vor. Nutzer können die App dann mit wenigen Klicks verbinden und sofort innerhalb von ChatGPT damit arbeiten, ganz ohne Umweg über eine eigene Webseite oder eine separate App auf dem Smartphone.
Möglich macht das eine erweiterte Plug-in-Technik, die nun sogenannte Extensions unterstützt. Damit können Entwickler interaktive Bedienfelder bauen, die sich direkt in den Chatverlauf einfügen. In einer Vorführung zeigte OpenAI etwa eine Terminplaner-App, die anstehende Meetings aus dem Kalender anzeigt, automatisch Notizen mitschreibt und im Anschluss eine Zusammenfassung mit den nächsten Schritten liefert. Auch Werkzeuge von Design-Anbietern wie Figma oder Adobe lassen sich auf diese Weise direkt im Chat nutzen.
Ein weiterer Baustein ist die Funktion „Sign in with ChatGPT“: Nutzer können sich damit bei Partnerdiensten anmelden und ihr bestehendes KI-Kontingent – also die im ChatGPT-Abo enthaltene Nutzung – auch in diesen Drittanbieter-Apps verwenden. Zum Start sind 16 Partner dabei, darunter Notion, Vercel und das Entwicklerwerkzeug Devin von Cognition. OpenAI kündigte an, die Liste bald zu erweitern. Für Unternehmen gibt es zusätzlich einen neuen Marktplatz mit über 30 Partnern, unter anderem Salesforce, HubSpot und ServiceNow, über den sich Firmenkunden Software direkt mit ihrem bestehenden OpenAI-Budget buchen können.
Noch weiter geht die Einführung sogenannter Dots – autonomer KI-Agenten, die eigenständig im Internet unterwegs sind. Jeder Dot verfügt über einen eigenen virtuellen Computer samt Browser und kann auf verbundene Apps zugreifen. Anstatt dass du selbst entscheidest, welche App du für eine Aufgabe brauchst, beschreibst du dem Agenten einfach dein Ziel – er sucht sich die passenden Werkzeuge aus einem Ökosystem von inzwischen über 4.000 Apps selbst. Die Dots können laut OpenAI sogar von sich aus aktiv werden, etwa indem sie im Hintergrund „proaktive Recherche“ betreiben und Vorschläge machen. Eigenständig handeln dürfen sie dabei aber nur mit Zustimmung der Nutzer.
Für dich als Nutzer könnte das bedeuten, dass digitale Aufgaben spürbar einfacher werden: weniger Apps suchen, installieren und einrichten, dafür mehr direktes Erledigen im Gespräch mit der KI. Gleichzeitig lohnt sich ein wacher Blick, wohin deine Daten fließen, wenn du Konten verknüpfst und Agenten Zugriff auf deine Dienste gibst. Für App-Anbieter eröffnet sich zudem ein neuer Vertriebsweg abseits der bekannten App Stores von Apple und Google – wer über ChatGPT gefunden wird, muss möglicherweise keine klassischen Store-Gebühren mehr zahlen.
Offen bleibt bislang, wie OpenAI mit Bezahlmodellen umgehen will. Eine eigene Abrechnungs- oder Umsatzbeteiligungslösung, wie sie Apple und Google mit ihren Stores etabliert haben, wurde bislang nicht angekündigt. Klar ist aber schon jetzt: OpenAI will nicht nur ein weiterer Chatbot sein, sondern die zentrale Anlaufstelle, über die Software gefunden, gestartet und genutzt wird – von Menschen und zunehmend auch von deren KI-Agenten.
Quelle: OpenAI’s latest features take direct aim at the app store model | TechCrunch – TechCrunch