
Es gibt Geschichten, die klingen wie ein modernes Märchen – nur dass dieses Märchen mit einer Prise Tabubruch und einer riesigen Portion digitaler Erotik gewürzt ist. Erika Leonard, der Welt besser bekannt unter ihrem Pseudonym E.L. James, hat das Verlagswesen nicht nur verändert, sondern im Alleingang umgekrempelt.
In diesem Beitrag werfen wir einen Blick hinter die Kulissen einer Karriere, die am heimischen Küchentisch begann und in den luxuriösen Höhen Hollywoods gipfelte.
Bevor die Welt von Christian Grey erfuhr, war Erika Leonard eine ganz normale berufstätige Mutter in London, die als Führungskraft beim Fernsehen arbeitete. Ihre Flucht aus dem Alltag? Die Welt der Fan-Fiction.
Unter dem Namen Snowqueen’s Icedragon begann sie, alternative Geschichten zur beliebten Twilight-Saga von Stephenie Meyer zu schreiben. Ihre Geschichte trug den Titel “Master of the Universe”. Die Charaktere hießen damals noch Edward Cullen und Bella Swan, doch das Setting war bereits das, was wir heute kennen: Ein düsterer, kontrollsüchtiger Milliardär und eine unschuldige Studentin.
Der Wendepunkt: James’ Schreibstil und die explizite Natur ihrer Szenen zogen so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass die Seite, auf der sie veröffentlichte, die Geschichte aufgrund von Beschwerden über den Inhalt entfernen musste. Dies zwang sie, ihre eigene Website zu gründen – der erste Schritt in Richtung Unabhängigkeit.
Nachdem James die Namen ihrer Charaktere geändert hatte (aus Edward wurde Christian, aus Bella wurde Anastasia), entschied sie sich für einen Weg, der 2011 noch als “Notlösung” galt: Self-Publishing.
Sie veröffentlichte “Fifty Shades of Grey” über einen kleinen australischen Independent-Verlag namens The Writers’ Coffee Shop.
Innerhalb kürzester Zeit wurden die großen Verlage in New York und London hellhörig. In einem historischen Bietergefecht sicherte sich Vintage Books (Random House) die Rechte für eine siebenstellige Summe.
Was folgte, war nichts Geringeres als eine globale Obsession. E.L. James brach Rekorde, die zuvor von Größen wie J.K. Rowling gehalten wurden.
| Meilenstein | Statistik |
| Verkaufte Exemplare | Über 165 Millionen weltweit |
| Übersetzungen | In mehr als 50 Sprachen |
| Einnahmen (2013) | Platz 1 der Forbes-Liste der bestbezahlten Autoren (ca. 95 Mio. $) |
| Kinokasse | Die Filmtrilogie spielte über 1,3 Milliarden $ ein |
Kritiker zerrissen den Schreibstil oft als simpel, doch der Erfolg von E.L. James lässt sich nicht allein durch literarischen Anspruch erklären. Er basiert auf psychologischen und marktwirtschaftlichen Faktoren:
E.L. James bewies Geschäftssinn. Sie gab die Kontrolle über ihr Werk nicht einfach ab. Bei der Verfilmung durch Universal Pictures sicherte sie sich als Produzentin weitreichende Mitspracherechte – was zu legendären kreativen Differenzen mit der Regisseurin Sam Taylor-Johnson führte.
Nach der ursprünglichen Trilogie erkannte James das Potenzial eines Perspektivwechsels. Mit den Büchern “Grey”, “Darker” und “Freed” erzählte sie die Geschichte erneut – diesmal aus der Sicht von Christian Grey. Fans verschlangen die neue Sichtweise, was James erneut an die Spitze der Bestsellerlisten katapultierte.
Keine Erfolgsgeschichte dieser Größenordnung kommt ohne Gegenwind aus. E.L. James sah sich mit zwei Hauptkritikpunkten konfrontiert:
Doch James blieb standhaft. Ihr Erfolg öffnete die Türen für ein ganzes Genre: “Romantasy” und “Dark Romance” verdanken ihre heutige Dominanz in den Buchhandlungen dem Weg, den James geebnet hat.
Die Geschichte von E.L. James ist mehr als nur die Erzählung von einem erfolgreichen Buch. Sie ist ein Beweis dafür, dass:
Heute lebt Erika Leonard zurückgezogen in London, schreibt weiterhin (wie ihren neueren Roman “The Mister”) und genießt den Status einer Frau, die die Verlagslandschaft für immer verändert hat.
Website der Autorin E.L. JAMES