
In einer Welt, in der fast jeder Film und jede Serie nur einen Klick entfernt ist, passiert etwas Erstaunliches: Die DVD kehrt zurück. Und es sind nicht etwa die Nostalgiker der Generation X, die ihre alten Regale abstauben. Es ist die Generation Z, die Digital Natives, die plötzlich eine Leidenschaft für glänzende Scheiben, dicke Hüllen und physische Sammlungen entwickelt.
Was steckt hinter diesem Trend? Warum investieren junge Menschen in eine Technologie, die viele schon vor zehn Jahren für tot erklärt haben?
Lange Zeit war das Versprechen von Netflix, Disney+ und Co. simpel: Alles, jederzeit, überall. Doch dieses Versprechen bröckelt. Filme verschwinden über Nacht von Plattformen, Lizenzen laufen aus, und manchmal werden Inhalte sogar komplett gelöscht, um Steuern zu sparen.
Die Gen Z hat erkannt: Beim Streaming „besitzt“ man nichts. Man mietet lediglich den Zugang. Ein DVD-Regal hingegen ist eine bleibende Bibliothek. Wer eine Blu-ray im Schrank hat, ist nicht von Internetverbindung oder dem Gutdünken eines Medienkonzerns abhängig.
Obwohl 4K-Streaming beeindruckend klingen mag, wissen Cineasten (und immer mehr junge Fans), dass Bitraten entscheidend sind. Ein gestreamter Film ist stark komprimiert. Eine 4K Ultra HD Blu-ray bietet hingegen eine Bild- und Tonqualität, die Streaming-Dienste technisch aktuell nicht erreichen können. Keine Artefakte in dunklen Szenen, kein Ruckeln bei instabilem WLAN, einfach das pure Kinoerlebnis.
Wir haben es bereits bei Schallplatten gesehen: In einer komplett digitalisierten Welt wächst die Sehnsucht nach etwas Haptischem. Die Gen Z liebt die Ästhetik von physischen Sammlungen. Ein schön gestaltetes Steelbook oder eine Criterion-Edition ist mehr als nur ein Datenträger, es ist ein Sammlerobjekt, ein Statement im Zimmer und ein Ausdruck der eigenen Identität. Das Durchstöbern von Gebrauchtwarenläden nach seltenen Schnäppchen hat zudem einen Event-Charakter, den ein Algorithmus nicht bieten kann.
Streaming-Plattformen sind darauf ausgelegt, uns in einer Endlosschleife zu halten. Man verbringt oft mehr Zeit mit dem Scrollen durch das Menü als mit dem eigentlichen Schauen. Das Einlegen einer Disc ist eine bewusste Entscheidung. Man nimmt sich Zeit für einen Film, schaut sich vielleicht noch das Bonusmaterial oder den Audiokommentar des Regisseurs an. Es ist „Slow Media“ in einer hektischen Zeit.
In Städten wie Los Angeles oder Berlin erleben die wenigen verbliebenen Videotheken einen regelrechten Ansturm. Orte wie „Vidiots“ in L.A. werden zu kulturellen Knotenpunkten für junge Menschen, die sich austauschen wollen. Es geht um Community, um Kuration durch echte Menschen statt durch KI-Empfehlungen.
Der Trend zur DVD und Blu-ray ist kein Rückschritt, sondern eine Form der digitalen Selbstverteidigung. Die Gen Z sichert sich den Zugang zu Kultur, entzieht sich der Abhängigkeit von Abogebühren und feiert die physische Form der Kunst.
Ob es nur ein kurzer Hype ist oder eine dauerhafte Rückkehr zum physischen Besitz, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Die Disc dreht sich wieder.
Quelle: Los Angeles Times: „Why Gen Z wants to buy, rent DVDs, Blu-rays in age of streaming“ von Samantha Masunaga (veröffentlicht am 23. Februar 2026). https://www.latimes.com/entertainment-arts/business/story/2026-02-23/why-gen-z-wants-to-buy-rent-dvds-blu-rays-in-age-of-streaming